Esprit Montmartre


Schirn_Presse_Montmartre_Anquetin_Femme_a_la_Voilette_1891Die Austellung Esprit Montmartre in der Frankfurter Schirn zeigt das reale Leben und die realen Lebensumstände der Künstlerboheme um die Jahrhundertwende in Paris.

Montmartre Armenviertel und Vergnügungsmeile, geprägt von Alkoholismus und Krankheiten; vorherrschend die Syphillis.

Die Darstellungen der Damen lassen mutmaßen: trägt sie einen Schleier um einen Ausschlag zu verbergen (Syphillide) ? trägt sie ein Samtband um den Hals um das „Halsband der Venus“ (Depigmentierung nach Syphillisausschlag) zu verbergen ? Viele Künstler waren ebenso betroffen. Eine Syphilliserkrankung zu dieser Zeit um gab die Menschen wie eine Aura der Verruchtheit, der syphillitsche Wahn (Neurolues) galt als Quelle der Genialität.

Mit der Entdeckung des Erregers (1905) und seinem serologischen Nachweis (1906) konnte die Erkrankung mit Beginn des 20.Jhdt. sicher nachgewiesen werden. Jedoch erst mit der Entdeckung des Penicillins (1943) gab es eine bis heute erfolgreiche Therapie.

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Damit verlor die Syphillis in der Mitte des letzten Jhdt. zunehmend an Bedeutung. Hinzu kam, dass die Angst vor anderen Erkrankungen (HIV,AIDS) zu einer Verhaltensänderung führte (safer sex). So sank die Neuinfektionsrate zu Beginn der 80er Jahre auf einen erfreulichen historischen Tiefstand.

Seit dem neuen Jahrtausend steigen die Zahlen der Syphillisneuinfektionen jedoch wieder kontinuierlich an. Im Jahr 2012 wurden vom Robert- Koch-Institut 4410 Fälle bestätigt, 20% mehr als im Vorjahr. Es sind überwiegend homosexuelle Männer betroffen, aber auch die Anzahl weiblicher Prostituierter ist steigend. Nur ein Drittel der Syphilliserkrankungen wird rechtzeitig im Frühstadium erkannt, häufig erfolgt die Diagnose viel später. Syphillis kann von der Mutter auf das ungeborene Kind übertragen werden. 2012 gab es trotz Screening 5 solcher Fälle, die unbehandelt schwere Missbildungen zur Folge haben.

Ein wichtiges Thema ist auch die Ko-Infektion mit HIV. Es ist daher ratsam bei Verdacht auch einen HIV-Test durchzuführen. Nach wie vor gilt die Benutzung von Kondomen als wirksamster Schutz (wenngleich auch nicht 100%ig), gegen beide Infektionen und andrer STDs (Sexual transmitted diseases).

Die Syphillis hat im Wandel der Jahrhunderte viele Opfer gefordert und viele Gesichter gezeigt. Leider hat diese Erkrankung bis heute nicht an Bedeutung verloren.

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